Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Ich bin auf der Suche nach ...

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Ja, wonach eigentlich? Nach wie vor verbringe ich einen nicht unerheb­lichen Teil meiner Freizeit in Tangostudios, bei Milongas oder bei Recherchen im Internet zum Thema. Warum tue ich das?

 

Bin ich überhaupt auf der Suche nach irgendetwas? Suche ich den Körper­kontakt zu meinen Tanzpart­ne­rinnen? Suche ich neue Freunde, neue Bekannt­schaften? Will ich Bestätigung für mein Tanzen? Die Anerkennung, dass es besser wird? Liebe ich einfach "nur" die Musik? Gehe ich gerne aus? Wieder einmal Fragen über Fragen.

 

Manch einer lernt den Tango angeblich nur, weil er den Körper­kontakt zu den Frauen sucht. Da das Thema von jeder Menge Tangueras bisher bestätigt wurde, nehme ich es als gegeben hin. Aber ich zähle mich nicht dazu. Das könnte ich doch auch in Bars anleiern. Es gibt doch auch einschlägige Suchbörsen. Ist der Aufwand dafür extra einen Tanz zu lernen (vor allem wenn es ein so anspruchs­voller wie der TA ist) nicht zu hoch? Gerade als Mann muss ich beim Tango doch jede Menge "leisten". Und das alles "nur", um eine Frau im Arm zu halten?

 

Und aufgrund dessen, was mir die Frauen so über diese Sorte von Tänzern berichten, ist es eh meist nur ein einmaliges "Vergnügen". Denn anschließend meiden die Frauen diese Männer. Es dürfte also sowieso nie über einige oberflächliche Berührungen hinausgehen. Somit dürften solche Exemplare wohl eh nur in Anfänger­kursen zu finden sein. Oder gelegentlich auf Milongas. Aber das hat sich sicher jeweils schnell herumge­sprochen (Frauen können keine Geheimnisse für sich behalten! - sollen sie in diesem Fall ja auch nicht). Und dann ist die Tanzkarriere in der Umgebung wohl dahin. Das kann es also nicht sein.

 

Neue Bekannt­schaften? Ja, reichlich. Gerade am Anfang lernt man bei jeder Gelegenheit neue Tänzer und Tänzerinnen kennen. Aber das ist auch nicht der Antrieb. Ich kann auch so Menschen kennen lernen. Dafür muss ich nicht TA lernen. Wobei ... die Art von Menschen die ich durch den TA kennen lerne ist meist von sehr angenehmer Art. Es sind gebildete Menschen, viele sind selbst­ständig. Es sind interessante Gespräche möglich. Und ich muss Gott sei Dank nicht über Autos oder Fußball reden. Dann schon eher über Frauen (wer es nicht weiß: das sind die einzigen 3 Themen über die mehr als 80 Prozent der Männer sprechen können oder wollen).

 

Ja, Frauen sind natürlich immer ein Thema beim Tango. Allerdings nicht in der abfälligen Art, bei der die Frau auf den Umstand "Ware" reduziert wird. Wie in Studen­ten­zeiten, als ich in verschiedenen Fabrik­be­reichen meine praktischen Studien­se­mester ableisten durfte und die Männer bei jeder Gelegenheit darüber diskutiert haben, welche Frau sich wohl als Pin-Up eignen würde. Hat mir damals schon nicht gefallen, tut es heute erst recht nicht. Die meisten Tangueros sehen in der jeweiligen Frau wohl doch etwas Besonderes. Ist jedenfalls meine Erkenntnis, wenn ich Paare beim Tanzen beobachte. Wie sorgsam manche mit ihrer Partnerin umgehen. Zumindest die bereits etwas erfahreneren Tänzer (ja, es gibt auch Ausnahmen).

 

Sind also vielleicht die Frauen der Antrieb? Sicher auch! Kann ich ohne Probleme zugeben. Als in einer Männer­domäne arbeitender Mann (keine weiblichen Kolleginnen), beim Sport, bei Hobbies ... meist treffe ich andere Männer. Da genieße ich den Kontakt zu Frauen. Warum auch nicht? Welcher Mann hier etwas anderes behauptet ... naja. Ist doch wohl von Mutter Natur auch so eingerichtet worden. Ich muss deswegen ja nicht gleich mit jeder ... aber das wäre jetzt nicht jugendfrei. Ich fühle mich in Schwulenbars eben nicht so wohl. Aber das ist ja sicher kein Verbrechen.

 

Bestätigung für meinen Tanz? Anerkennung? Zum Teil. Davor ist doch auch niemand von uns gefeit. Jeder sucht - zumindest ein bisschen - nach Anerkennung, Lob. Aber es ist sicher nicht der Hauptgrund, jedenfalls nicht für mich. Wenn ich tanze, wie ich tanze, etc. das ist nur eine Sache zwischen mir und ihr (der jeweiligen Tanzpartnerin). Ich tanze nicht für das Publikum. Das darf zusehen. Darf auch lästern. Mir egal. Solange sich die Frau in meinem Arm wohlfühlt (und ich mich mit ihr). Solange sie das bekommt was sie sucht (und ich das gleiche will und es auch geben will).

 

Die Musik? Mein Geburts­tags­ge­schenk an mich: min. 15 neue Tango-CDs. Muss also wohl eine gewisse Rolle spielen. Die Zahl der Stilrich­tungen, der Orchester wächst. Immer und überall kann oder will ich Tangomusik hören. Ja, die Musik ist sicher ein Grund. Allerdings war für mich erst der Tanz und dann die Musik. Ich hatte erst meine ersten Tangostunden und danach fing ich an, mich für die Musik zu interes­sieren. Wenn ich vielen Ratschlägen glauben darf, dann wird die Musik künftig noch eine viel größere Rolle für mich spielen. Vielleicht lerne ich dann zu unterscheiden, auf welches Lied welcher Tanzstil passt. Noch unterscheide ich nicht so sehr zwischen einem Troilo und einem DiSarli. Vielleicht ändert sich das noch.

 

Oder ist es die Heraus­for­derung? Der Reiz der Aufgabe? Ist für mich ja schon eine Art von Ansporn. Perfektes Führen. Sehr gute Haltung beim Tanz. Die tollsten, schönsten Schritt­kom­bi­na­tionen, was auch immer. Es ist etwas was nicht jeder kann. Es ist eine schwierige Aufgabe (wer hier eine andere Meinung hat, möge sich bitte melden, dann nehme ich gleich dort Unterricht). Das reizt schon.

 

Also, was ist die Quintessenz? Warum lerne ich TA? Was suche ich? Hmmmh, keine Ahnung! Aber es macht einfach Spaß ;-)

 

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