Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Mein nächster magischer Moment

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Um ein Haar hätte es geklappt! Ich habe ihn schon kommen "sehen". Wen? Na meinen nächsten magischen Moment.

 

Ich habe mich an das entspre­chende Rezept gehalten ("schaffe möglichst optimale Voraus­set­zungen bevor du tanzt"). Also ein ruhiger Tango, eine sympathische Tanzpartnerin, die innere Einstellung zum Tanz, das Temperament herunter­fahren. Ja, alles erledigt. Ready to go!

 

Dann vor dem ersten Schritt noch ein paar Sekunden warten (aber nicht dumm Rumstehen, sondern Zitat: "...die Frau abholen" - auf die Angabe der Quelle für das Zitat verzichte ich hier. Er wird es sicher wissen ;-). Ich nehme mir alle Zeit der Welt für diesen Tanz. Ein weiches "einpendeln" der Körper. Wir synchro­ni­sieren uns. Und alles in unendlicher Ruhe. Und dann beginnt der erste sachte Schritt.

 

Aber wie in einem schönen Traum ... kurz bevor sich der magische Moment auf uns nieder­lassen konnte ... nein, ich bin nicht aufgewacht. Aber ...

 

Es ist ein ruhiger Tango. Keine Hektik. Langsame, bedachte Schritte. Nichts Verwegenes. Ich spüre die Frau in meinem Arm. Ich konzen­triere mich auf sie und auf unsere gemeinsamen Bewegungen. Aber ...

 

Die Umgebung ist schon ausgeblendet. Die anderen Tänzer und Zuschauer existieren für mich nicht mehr. Die Tanzfläche ist bereits in meinem Kopf "abgespeichert". Darauf brauche ich nicht mehr zu achten. Aber ...

 

Es sind bereits etwa 2 Minuten vergangen (aber wer achtet beim Tango schon auf die Zeit). Ich merke, wie ich mich immer mehr von außen nach innen orientiere. Die innere Anspannung fällt. Habe ich eigentlich noch die Augen offen? Wenn ja, dann nehme ich jedenfalls nichts mehr bewusst war. Da läuft jetzt so eine Art Automa­tismus. Autopilot. Irgend­jemand muss uns ja steuern, aber ich bin es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr bewusst.

 

Aber! Ja, aber. Dann holt mich meine Tanzpartnerin abrupt wieder zurück auf die Erde. Sie redet. Nein, dass wäre nicht das Problem gewesen. Es ist nicht, dass sie etwas sagt, sondern was sie sagt. Zugegeben, es (das Reden) stört in diesem Augenblick. Wahrscheinlich hätte ich ihre Worte einfach ignoriert, wenn ... ja wenn ...

 

Ich aktiviere also wieder den Bereich meines Gehirns, der für Hören zuständig ist. Die Information trudelt so langsam durch das Ohr ins Hirn, wird verarbeitet ... Aber das stört mich alles noch nicht. Ich habe nur noch "Augen" für meinen magischen Moment. Er schwebt schon über mir. Ich kann ihn schon "riechen". Ach, es ist herrlich, gleich wird es passieren...

 

Mittlerweile wurde die gehörte Information verarbeitet und ausgewertet. Irgendetwas in mir löst den Alarm aus. Mist, der Kapitän wird auf der Brücke gebraucht. Also System im Schnell­durchgang wieder hochfahren und "oben" fragen was da los ist. Mein Gehirn erklärt mir, was die Ohren gehört haben. Und bums ... bist du schlagartig wieder in der Realität.

 

Der magische Moment ist vermutlich genauso erschrocken wie ich. Jedenfalls hat er sich so schnell aus dem Staub gemacht, dass ich ihm nicht einmal mehr hinterher winken konnte. Aus! Vorbei! "The missile didn't reach the target". Verloren!

 

Ich hab den Tanz dann wie in Trance zu Ende gebracht. Aber nichts mehr mit Konzen­tration und so. Hat eben nicht sollen sein.

 

Und das ist dann das Ende der Geschichte!

 

Ach so, ihr wollt noch wissen, was sie gesagt hat. Aber das ist so schmerzhaft. Bitte, ich möchte das nicht wiederholen müssen. Quält mich doch nicht so ... Ihr seid aber auch neugierig. Also gut. Ihr einziger, aber verhee­render Satz war: "... und wann passiert jetzt hier 'mal was, wo ist die Action?"

 

Und die Moral von der Geschicht? Eine kleine aber äußerst wichtige Zutat fehlte bisher im Rezept. Such dir nicht unbedingt die tempera­ment­vollste Tänzerin dafür aus!

 

(und nur für den Fall, dass sich die Dame jetzt hier wieder erkennt: es ist immer wieder schön mit dir zu Tanzen. Aber anscheinend warst du - zumindest an diesem Abend - nicht auf der Suche nach einen magischen Moment) ;-)

 

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