Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Was? Nur Tango?

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"Ich tanze nur Tango". Nein, ich habe auch Standard- und Latein­er­fahrung. Aber das mit dem "nur" kann ich so nicht gelten lassen.

 

Wir haben irgendwann mit dem TA begonnen. Da war es für uns ein (!) Tanz. Dann kam der (die?) Milonga. Und schließlich der Vals. Und schon haben wir drei Tänze. Dann kamen die verschiedenen Stilrich­tungen. Langsame Stücke, schnelle. melancho­lische oder fröhliche. Dann kamen die verschiedenen Tanzpart­ne­rinnen dazu. Die Tempera­mentvolle, die Genießerin, die "Geherin". Und jetzt kann ich gar nicht mehr sagen, wie viele verschiedene Tänze ich tanze. Aber alles ist "nur" Tango.

 

Nur ein Außenste­hender wird es so sehen. Die TänzerInnen selbst haben da sicher eine ganz andere Meinung. Jeder Tanz ist ein anderer Tanz. Das gleiche Stück mit verschiedenen Tanzpartnern ist jedes Mal ein anderer Tanz. Das gleiche Stück mit der gleichen Tanzpartnerin an verschiedenen Tagen ist jedes Mal anders. Da würde ich eher antworten wollen: "Ihr tanzt nur Standard-/Latein"?

 

Aus meiner früheren Tanzzeit ist mir noch so in Erinnerung, dass eine Rumba eine Rumba war. Egal wann, egal mit wem. Lediglich die Anzahl der Figuren war unterschiedlich. Je nach Können des Gegenüber. Also hatte ich so etwa elf Tänze im Repertoire (oder waren es dreizehn?). Egal. Es war jedenfalls übersichtlich. Und jetzt? Alleine an einem Abend schaffe ich locker 25 verschiedene Tänze. Und wenn ich zwischendurch verschnaufen kann (ja, die wilden Milongas sind mein Ding), dann schaff ich vermutlich sogar noch mehr.

 

Sind wir also "nur" Tangotänzer? Nein. Wir "erfinden" unsere Tänze jedes Mal neu. Es gibt keine Routine. Zumindest noch nicht. Vielleicht ändert sich das irgendwann einmal. Vielleicht hat man dann so ziemlich alles durch und es wird langweilig?! Aber bis dahin möchte ich nichts mehr von "nur" hören.

 

Und aus lauter Übermut habe ich es wieder einmal ausprobiert: Standardtanz. Nach fast 30 Jahren Abstinenz. Aber gleich richtig - im Tanzsport­verein. Was soll ich sagen? Vieles ist gleich (ohne Führung passiert nicht allzu viel), vieles total anders (die Tanzhaltung, die Schritte meist zwischen die Beine der Tanzpartnerin). Aber! Mir fehlte relativ bald die Möglichkeit der Improvi­sation. Der Ablauf ist relativ festgelegt (oder fehlte mir jetzt einfach nur die Übung?).

 

Wie gerne wollte ich beim ChaCha nach zwei Durchgängen eine "neue" Figur "erfinden". Geht aber nicht. Ich muss mich an das "Programm" halten. Da habe ich "ihn" schon gleich vermisst. Meinen Tango. Mit der Möglichkeit jederzeit die Welt neu zu erfinden. Nur eines als Warnung an die Führenden: das Umschalten zwischen Standard-/Latein und TA fällt - zumindest mir - unheimlich schwer. Da tanzt du dann plötzlich beim "normalen" Tango "freie Figuren" aus dem argenti­nischen oder beim TA machst du plötzlich den Wiegeschritt.

 

Ich habe mich auch mit einem der Männer dort unterhalten. Er tanzt schon in irgendeiner Klasse, er unterrichtet sogar. Auch ihm fällt das Umsteigen zwischen beiden Richtungen schwer. Deshalb lässt er es gleich und bleibt bei Standard-/Latein. Und ich ... ich packe meine sieben Sachen und mache mich wieder auf den Weg zur nächsten Milonga. Dort bin ich wohl momentan besser aufgehoben.

 

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