Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Verlasse ich den rechten Pfad?

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Zuerst war ich mächtig stolz. Endlich! Die Ochos in beliebiger Reihenfolge, Seitwärts­schritte, Kreuz, Salida, Sacadas, ... Eine unendliche Aneinan­der­reihung von Elementen. Ich komme ja gar nicht mehr zum eigent­lichen "Gehen". Aber halt! Bin ich dabei, vom rechten Weg abzukommen?

 

Wenn ich in aller Ruhe so über meine letzten Tangos nachdenke ... ja, es waren viele, viele "Bewegungen". Aber habe ich die Musik überhaupt noch wahrge­nommen? Welche Stücke liefen denn dazu? Keine Ahnung. Nicht, weil ich die Lieder nicht kenne, sondern weil ich nicht darauf geachtet (gehört) habe. Ich war ja so sehr mit Führen der ganzen Elemente beschäftigt.

 

Begebe ich mich jetzt auch auf diesen Pfad der "Figuren­fe­ti­schisten"? Oh je, ich wollte doch nie so werden. Ich habe doch immer die Musik interpretiert. Schönes Gehen im Takt. Sanft und rhythmisch. Dafür gab es ja auch oft positives Feedback der Tanzpart­ne­rinnen. Und was ist jetzt aus mir geworden? Oder ist es einfach nur der Stolz, dass endlich etwas klappt was ich schon lange probiere?

 

Ich stehe wohl an einer Tango-Kreuzung. Links geht der Weg der gepflastert ist mit Elementen, Figuren. Die Priorität liegt hier auf Ochos, Sacadas, Drehungen. Rechts geht der Weg der Musik. Die Elemente sind zweitrangig. Die Musik und deren Interpre­tation stehen im Vordergrund. Schönes, rhythmisches Gehen. Die Frau im Arm spüren. Sich Zeit für sie nehmen. Sie wahrnehmen.

 

Aber wohin soll ich jetzt weiter gehen? Gehe ich nach links, so verliere ich den Bezug zur Musik. Ich höre nicht mehr richtig hin. Ich konzen­triere mich auf das oft zu beobachtende "Element­feu­erwerk". Die Frau hat kaum noch die Möglichkeit, ihre Schritte sauber und genießerisch zu Ende zu bringen, da führe ich schon die nächste "Figur". Was interessiert mich die Musik? Ich brauche die Bewegungen.

 

Oder will ich nach rechts weiter gehen? Ab und zu mal einen Ocho oder eine nette Drehbe­wegung. Es ist alles in allem überschaubar was so pro Tanz "abgeht". Aber ich bleibe bei der Musik. Ich höre zu und die Beine machen, was im Kopf an Information ankommt. Ich setzte die Musik tänzerisch um. Ich bewege mich passend zur Musik. Die Frau (und ich) bekommt jede Menge Zeit zum Genießen.

 

Ratlosigkeit! Was will ich? Was wollen die Frauen die mit mir tanzen? Ich kann natürlich zwischen beiden Wegen wechseln. Ein Tanz gehört den Tangoele­menten, ein Tanz der Musik. Ist das eine brauchbare Lösung? Oder ich frage die jeweilige Tanzpartnerin nach ihren Vorlieben? Will ich das? Was ist hier das Salomo­nische Urteil? Was ist meine Lösung?

 

Und jetzt streift mein Ohr diese "neue" Musik. Betont langsam. Viiiiiel Zeit zum Nachdenken (und Führen). Egal, ob Neo, Nuevo, Non oder wie sich die Musikrich­tungen nennen. Es gibt Möglich­keiten. Die Langsamkeit der Musik gibt mir die Möglichkeit in aller Ruhe zu genießen und es bleibt sogar noch Zeit, sich ein paar nette "Figuren" auszudenken. Vielleicht probiere ich das einmal aus? Ein Bruch mit der traditio­nellen Tangomusik?

 

Gibt es deshalb so viele Anhänger dieser Musikrich­tungen? Die Mischung aus Genuss und Bewegungen? Gut, muss ist auspro­bieren. Ist aber sicher nur eine Teillösung. Denn was mache ich mit der ursprüng­lichen Tangomusik? Also ziehe ich die nächsten Wochen das T-Shirt mit dem Aufdruck "Heikvaldo ist momentan ratlos!" an. Und auf die Rückseite lasse ich "Vorsicht! Experi­men­tal­tänzer." drucken. Und dann schauen wir mal wie es weitergeht ...

 

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