Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Nur wer tanzt wird es lernen

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Dieser Post richtet sich wieder einmal an die "ganz neuen". Ich möchte euch Mut zusprechen. Mut, es einfach zu tun.

 

Auf der gestrigen Milonga traf ich eine "neue" Tänzerin. Ich hatte vor einigen Wochen auf einer Practica mit ihr geübt. Es war ihr "erstes Mal". Mangels Tanzpartner in der Tangostunde saß sie bislang meist nur auf dem Stuhl und hat zu gesehen. In der Practica hat es dann soweit geklappt, dass sie langsam gehen konnte. Ochos zwar in der Theorie, aber nicht wirklich. Jetzt war sie mit neuem Tanzpartner zur ersten Milonga. Und beide saßen am Rand. Und saßen und saßen ...

 

Also geb ich kurz einer Anfragenden einen Korb mit dem Hinweis, ich muss "Entwick­lungshilfe" leisten (und hole die Tanda dann später mit ihr nach). Ich habe sie dann aufgefordert. Zuerst wollte sie nicht. Sie hat jetzt so ungefähr dreimal in der Tanzstunde getanzt. Also ein bisschen Überre­dungs­arbeit und es ging los. Ziemlich verkrampft. Ihr eigener Körper mit permanentem Rückwärtsdrang (das haben manche Frauen. Als Führender verspürst du einen ständigen "Zug" ihres Körpers nach hinten). Der Oberkörper leicht nach hinten gebeugt, der Blick in Richtung Boden.

 

Ich habe sie immer wieder beruhigt. Ich werde nichts "schweres" Führen. Ich werde nur mit ihr Gehen. Ruhig, sanft, im Takt. Keine Ochos, Seitwärts­schritte, nichts. Sie kann ganz ruhig bleiben. Eine ganze Tanda lang sind wir gelaufen. Unzählige Male vertanzt, falscher Fuß, aus dem Takt gekommen. Ich hab sie angelächelt und gesagt, das macht nichts. Vermutlich habe ich es mir damit mich mancher der anderen Tangueras verscherzt ("Oh Gott, wie tanzt den der?"). Aber das überlebe ich. Ich hatte trotzdem den ganzen Abend ziemlich viel zu tun.

 

Es geht jetzt nicht darum, was meine Tanzpartnerin alles falsch gemacht hat. Dafür haben wir ja Practicas. Da kann ich ihr das alles erklären. Es geht auch nicht darum, dass ich mir die Zeit für sie genommen habe (ist wohl für mich so eine Art "Hypothe­ken­rück­zahlung" an die Frauen, die mir vor Monaten ähnliches "angedeihen" ließen). Es geht einzig und alleine darum, dass ihr Tanzen müsst!!!!!! Auf den Stühlen lernt man keinen TA. Von Videos kann man sich manches abschauen. Richtig Verstehen wird man es erst, wenn man es dann selbst unzählige Male nachgetanzt hat.

 

Ich habe es ihr und ihrem Tanzpartner auch gesagt. Ihr müsst tanzen! Egal was die anderen denken (oder sagen). Traut euch. Ich kann mich ja noch sehr gut an meine frühen TA-Tage erinnern (ist ja noch nicht solange her). Habt den Mut und versucht es. Immer wieder. Irgendwann klappt es besser. Als Mann kostet es natürlich Überwindung, auf einer Milonga eine (fremde) Frau aufzufordern (die es dann auch noch deutlich besser kann). Aber macht es! Wenigstens eine einzige. Tanzt mit ihr solange es geht. Vielleicht gönnt sie euch noch eine zweite Tanda. Egal. Selbst die eine ist Lernen für euch.

 

Und bei der nächsten Milonga schafft ihr wieder wenigstens einmal aufzufordern. Eine andere Frau. Und dann trefft ihr die Frau von der ersten Milonga wieder (ihr werdet bald feststellen, dass die TA-Welt ziemlich klein ist). Und fordert diese auch diesmal auf. Dann habt ihr (wenn alles klappt ;-)) schon zwei Tandas (oder mehr). Und dann arbeitet ihr euch so ganz langsam hoch. Es müssen nicht gleich zehn Frauen am Anfang sein. Eine und noch eine und noch eine. Dann habt ihr irgendwann schon drei Tandas. Und so geht es dann aufwärts. Und wenn ihr noch all die anderen Tipps aus diesem Blog beherzigt, dann sollte eurem Aufstieg eigentlich nichts mehr im Weg stehen.

 

Aber ihr müsst den Mut aufbringen, den Anfang zu machen. Zumindest die Männer haben es da wohl ein Stück weit selbst in der Hand. Einen besonderen Tipp für die Frauen kann ich hier leider nicht geben. Außer: fordert selbst auf! Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt ... Ich habe auf der Milonga gestern tolle Tänzerinnen gesehen. Respekt! Da trau selbst ich mich noch nicht "ran". Aber ich bin mir ganz, ganz sicher: keine von ihnen ist irgendwann morgens aufgewacht und hat festge­stellt, dass sie jetzt über Nacht plötzlich eine sehr gute Tänzerin geworden ist.

 

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