Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Ich mach 'mal kurz Pause

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"Warte auf mich". Tue ich das nicht sowieso? Ich soll meine Tanzpartnerin wieder einsammeln? "Gönne uns die kleine Pause". Der Unterschied zwischen Tanzen und "wunderschön gemeinsam" Tanzen liegt hier bei lediglich einer halben Sekunde Dauer.

 

Ich hatte schon einmal eines meiner ganz persön­lichen kleinen "Tanzwunder" beschrieben. "Grundschritt" (Base). Zwischen dem fünften und sechsten Schritt (also die Frau wieder aus dem Kreuz heraus­führen) mache ich oft eine kleine "Nachdrehung" der Frau. Ich "hole" sie ganz sanft noch den "Rest der Drehung" zu mir bevor ich weitergehe. Das geht fast in Zeitlupe. Manche Frauen spüren es, manche nicht :-(

 

Jetzt habe ich wieder so etwas "gefunden". Wir drehen eine Molinette im Uhrzei­gersinn. Nach der 360 Grad Drehung warte ich ein bisschen. Und zwar solange, bis meine Tanzpartnerin vollständig "angekommen" ist. Und zwar auf ihren eigenen Wunsch hin. Ob ihr euch jetzt das Ganze gedanklich vor Augen führen könnt oder nicht ist einmal Nebensache (ich unterrichte ja nicht und schon gar keine Schritte).

 

Die Sache ist die, die ich einmal "entschleu­nigtes Tanzen" genannt habe. Ich lasse mir mehr Zeit. Und zwar genauer: mehr Zeit für FAST gar nichts. Aber dieses "fast" macht einen riesen Unterschied. Wenn ich mir die Zeit nehme, um z.B. ein Schließen meiner Beine ganz bewusst zu machen oder eben diesen kleinen Tick Pause einzulegen, um der Frau noch etwas Zeit zu geben. Vielleicht sogar solange, um einen gemeinsamen Blick zu genießen.

 

Für gewöhnlich tanze ich im Takt der Musik. Mehr oder weniger gut. Bei manchen Stücken oder an manchen Tagen gelingt es eben nicht so gut. Ist wohl bei jedem so. Ich versuche "jeden Taktschlag auszunutzen". Sprich: ich versuche mich im Takt der Musik zu bewegen. Und nun "gönne" ich meiner Tanzpartnerin und mir manchmal einen "extra" Takt für ... gar nichts wäre jetzt der falsche Begriff.

 

Ich gönne uns eine kleine "Pause" zum Genießen. Wie gesagt, manche Frauen können damit nichts anfangen. Wenn ich etwas zu lange brauche, dann schauen sie mich vielleicht an und denken ich habe mich vertanzt o.d. Aber manche Frauen verstehen was ich damit will bzw. warum ich es mache. Sie nehmen diese Momente "dankbar" an. Diese kurzen Augenblicke, die nicht für einen Schritt oder eine Bewegung reserviert sind.

 

Es sind Momente nur für sie und mich. Ich stehe wie an der Bushal­te­stelle und warte auf sie. Aber eben nicht gelangweilt. Sondern "in freudiger Erwartung" auf sie. Oder besser noch, ich komme ihr ein Stück entgegen. Ich nehme sie in Empfang und begleite sie den Rest des Weges. Völlig ohne Eile. Und es ist eben nicht ein "Schieben oder Drücken" ans Ziel. Es ist ein "sanft bei der Hand nehmen und begleiten".

 

Ich kann dann auch 'mal kurz "Nachfühlen". Ist alles okay? Ich kann sie bewusst spüren. Ich kann meine Umarmung kurz kontrol­lieren. Eventuell meinen rechten Arm kurz von ihrem Rücken lösen und wieder sanft auflegen. Oder ich konzen­triere mich auch "nur" auf sie. Spüre ich ihren Atem oder ihren Puls? Vielleicht auch für einen ganz kurzen Moment die Augen schließen.

 

Voraus­setzung hierfür ist, dass die Frau entspannt genug mit mir tanzt. Oft geschieht es in geschlossener Umarmung. Denn dann "gebe" ich sie ja für eine "Figur" her. Wir vergrößern den Abstand zueinander. Und anschließend nehme ich sie dann wieder "in die Arme". Sie will zurück (oder eben nicht ;-). Passiert manchmal mit neuen Tänzerinnen, oft aber mit Tänzerinnen, mit denen ich viel tanze. Und es kommt auf vieles dabei an. Auf meine Tagesform, die Musik, etc.

 

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