Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Tango und Ehrgeiz

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Okay, dann versuche ich es eben zum zwanzigsten Mal. Nein, wieder nicht perfekt. Ich bin nahe am Aufgeben. Motivierend ist etwas anderes. Hier kämpfe ich mit dem Ehrgeiz. Aber nicht mit meinem ...

 

Diesmal geht es um den Ehrgeiz im Tanz. Mit unserem eigenen kommen wir wohl alle gut zurecht. Aber was ist, wenn der (feste) Tanzpartner zu ehrgeizig wird? Oder auch, wenn das Tanzniveau im Paar zu unterschiedlich wird? Schließlich lernen wir nicht alle gleich (schnell) und gleich gut. Und im letzten Workshop war ich genau mit dieser Situation konfrontiert.

 

Meine Tanzpartnerin (wir tanzen sehr gut und harmonisch zusammen) hat auf einmal einen Ehrgeiz mit Hang zur Perfektion entwickelt. Ist für mich auch nachvoll­ziehbar. Ich kenne ja die bzw. ihre Hinter­gründe. Aber das was sie da von mir erwartet, ist mir einfach zu "hoch". Es soll möglichst gleich perfekt sein. Und schon kleinste "Abweichungen" werden geahndet (aber bitte: das ist jetzt hier kein Vorwurf an sie. Wir regeln das persönlich). Es geht hier ja nur um das Prinzip.

 

Also, wie sollen wir damit umgehen, wenn einer plötzlich deutlich besser ... oder deutlich mehr will? Bedeutet das zwangsweise das "Aus" unserer Tanzbe­ziehung? Können daran möglicherweise sogar echte Beziehungen scheitern? Gibt es eine Lösung?

 

Für mich ist das hier wieder einmal ein Fall für König Salomon. Entweder ich suche mir eine neue Tanzpartnerin (mit weniger Ambitionen, dafür aber der Gefahr, dass es nicht so harmonisch sein wird - wir uns also tänzerisch (und vielleicht sogar menschlich) nicht so gut verstehen) oder ich bleibe bei dieser und lebe mit ihrem Ehrgeiz (auf die Gefahr hin, dass mir der Spaß an der Sache vergeht und ich permanent überfordert sein werde).

 

Wofür entscheiden? Sieht nach Zwickmühle aus. Ist es aber nicht (jedenfalls nicht für mich). Wie viele gut-zu-euch-passende-Tanzpartner habt bzw. kennt ihr mit denen ihr richtig schön-und-harmonisch Tanzen könnt und wollt (und diese auch mit euch)? Ist vermutlich eine überschaubare Zahl - stimmt's? Ja, wir kennen und haben sicher viele gute Tanzpartner. Aber wollen die auch mit uns Tanzun­terricht nehmen oder gar Workshops besuchen? Also auch Zeit außerhalb einer Milonga mit uns verbringen beim Üben. Wollt ihr so etwas wirklich so einfach aufgeben?

 

Wer für sich jetzt sagt "alles kein Problem ich hab da dutzende davon" der sei beneidet (und sollte sich schämen, so zu lügen ;-). Für alle anderen (inklusive mir) kommt jetzt das notwendige Werkzeug (nein, es ist kein App und nicht bei iTunes zum downloaden): R-E-D-E-N. Und zwar miteinander (zum Glück sind die meisten TA TänzerInnen schon jenseits der 30. Wir haben diese Form der - direkten - Kommuni­kation ja noch gelernt und können sie noch anwenden - oder erinnern uns zumindest noch daran, wie es angewendet wird ;-)

 

Warum tanzen wir zusammen? Warum den Tango? Wegen der Perfektion (habe ich jetzt auch Welt- oder Europa­meister unter meinen Lesern?)? Eher nicht. Es ist wohl eher etwas anderes. Und das hat doch nichts mit Perfektion zu tun - oder? Was ist so schlimm daran, wenn diese oder jene Drehung in "die Hose geht"? Wenn die Haltung einmal nicht 100% perfekt war? Genau: gar nichts! Also warum einen übermäßigen Ehrgeiz entwickeln?

 

Ehrgeiz ist nichts Schlechtes. Auch nicht im TA. Aber zu viel davon ... das kann schädlich sein oder werden. Wenn einer von uns beiden (im Tanzpaar) den Spaß an der Sache verliert, die Freude am Tanz, an der Musik oder auch am Tanzpartner. Dann schießen wir wohl über das Ziel hinaus! Dann riskieren wir etwas zu verlieren (das in meinen Augen viel wichtiger und kostbar ist), um etwas anderes zu bekommen (was für mich in keinem Verhältnis zum möglichen Verlust steht).

 

Ihr ahnt es sicher, wie meine Entscheidung hier ausgefallen ist. Denkt an König Salomon: bevor ich "mein" Kind "töten" lasse ...

 

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