Heikvaldo: Tango-Argentino - Erfahrungen

Heikvaldo: Tango und Gefühle

(Kommentare: 0)

 

Kann bzw. soll man dazu überhaupt etwas schreiben? Gibt es beim TA Gefühle? Für die Musik? Für den Tanz? Für die Bewegungen? Für den Tanzpartner? Oder verlieben wir uns gar in eine ganze Milonga(veranstaltung) mit seinen Tänzern, dem Raum, der Atmosphäre?

 

Gefühle für die Musik? Für den Tanz und seine Bewegungen? Ganz klar! Wenn ich die nicht habe, ist es in etwa so, als wenn 2 i-robots miteinander unterwegs sind. Man erkennt Bewegungen, etc., aber als Tanz würde ich das nicht bezeichnen wollen. Es werden bestimmte Bewegungs­muster "abgear­beitet". Keine Interpre­tation der Musik. Keine Leiden­schaft in den Bewegungen - eben kein Gefühl!

 

Jeder - zumindest fast jeder - von uns (er)kennt doch solche Tanzpaare. Da wird irgendwas auf der Tanzfläche gemacht. Teils verbissen "gekämpft". Fern von jeglichen Takt. Weitab von irgendeiner Art von Genuss. Mehr oder weniger gelenkig - oder eben stocksteif. Viele von uns haben so angefangen. Die wenigsten sind wohl als Tanzbaby auf die Welt bekommen. Die meisten von uns haben sich aus dieser Phase emporge­ar­beitet. Die restlichen ... nun ja, die habe ich schon lange nicht mehr tanzen gesehen.

 

Gefühle für die Milonga selbst? Sicher, wir fühlen uns wohl, wenn uns die Umgebung, die anderen Tänzer zusagen. Aber sind das die Gefühle von denen ich hier spreche? Eher nicht.

 

Also bleiben die Gefühle für den Tanzpartner ("10-Minuten Verhältnis"). Gibt es die? Brauche ich die? Stören sie am Ende gar? Welche Arten von Gefühlen kann es geben? Wie gehe ich damit um?

 

Negative Gefühle. Sind für mich ein TA-Killer. Wenn ich mit meinem Tanzpartner nicht harmoniere, es nicht eine gewisse, notwendige Sympathie füreinander gibt, dann gibt es für mich auch keinen (schönen) TA. Dann kann ich bestenfalls tanzen. Aber den TA, die Musik nicht "leben" und/oder improvi­sieren. Ich brauche mindestens "neutrale" Gefühle.

 

Ein neuer Tanzpartner. Wir kennen uns noch nicht, es ist der erste Tanz. Also, mal sehen was kommt. Wie es wird. Ich bin also relativ "gefühls­neutral" (sonst würde ich wohl diesen Tanz auch gleich ablehnen oder hätte erst gar nicht dazu aufgefordert). So beginnen, zumindest für mich, die meisten Tänze mit "unbekannten". Frühestens nach ein paar Schritten oder Minuten kann ich den Tanzpartner dann einordnen. Was geht? Wie läuft es? Ist eine Harmonie vorhanden? Macht es Spaß? Will ich weiter tanzen?

 

Positive Gefühle. Jetzt sind wir wohl an "Pudels Kern". Was schrieb Sabine Maria Egger: "Ein guter Tanguero braucht Liebe. Das bedeutet nicht, dass er sich in jede Frau verlieben muss, mit der er tanzt." (gleiches gilt vermutlich auch für  - gute - Tangueras). Sie schreibt nicht, dass man(n) sich nicht verlieben darf. Es ist kein Muss. Aber es hilft. Gut, "verlieben" ist wohl das falsche Wort hierfür. Aber ihr versteht, was ich meine. Die Kunst hierbei ist m.E., dass man unterscheiden kann.

 

Einerseits: Jetzt und hier, miteinander. Ich möchte nicht von Liebe oder etwas vergleichbarem sprechen (das wäre in meinen Augen zu viel), aber irgend so ein positives Gefühl für den Tanzpartner. Das macht für mich - wenigstens zum Teil und zusammen mit dem Gefühl für die Musik - den Unterschied zwischen "Bewegungs­mustern abspulen" und "leiden­schaftlich (TA) tanzen". Ohne dieses positive Gefühl für den "anderen Teil" (When two bodies become one ... bzw. Das wahre Geschenk des Tango Argentino) geht es wohl nicht oder nicht richtig.

 

Anderseits: die genaue Trennung all dieser Gefühle. Sobald wir die Tanzfläche verlassen war es das! Das ist notwendig. Und hier liegt die Krux. Das darf man nicht verwechseln. Egal wie schön und wundervoll die Nähe zum anderen während des Tanzes war. Wie sehr die Umarmung, die Nähe genossen wurde. Egal wie leiden­schaftlich getanzt wurde. Egal wie viel Spaß es zusammen gemacht hat. Es hat nichts - oder nur in den wenigsten Fällen ;-) - mit Liebe (oder vergleichbaren Gefühlen) zu tun. Mit Verlassen der "Pista" ist es VORBEI!

 

... und falls nicht, dann hat es nichts mehr mit TA zu tun. Dann war der Tango hierbei nur hilfreich ;-)

 

 

Zurück

Kommentare

Einen Kommentar schreiben

Sie müssen sich anmelden, um Kommentare hinzuzufügen.